Von Wien nach Rom. Wunder der Habsburger aus dem Kunsthistorischen Museum

6 März - 5 Juli 2026

Die Ausstellung präsentiert eine ausgewählte Gruppe von Meisterwerken aus den habsburgischen Kaiserlichen Sammlungen und bietet einen privilegierten Einblick in die europäische Bildkultur zwischen Renaissance und Barock. Anhand von Gemälden, Skulpturen und Kunsthandwerk rekonstruiert die Schau den Geschmack, die Macht und die politische Vision jener Dynastie, die über Jahrhunderte die Geschichte des Kontinents prägte.

Museo del Corso-Polo Museale, Palazzo Cipolla – Via del Corso, 320

Diego Velázquez. Infantin Margarita Teresa im blauen Kleid (Detail)
Diego Velázquez. Infantin Margarita Teresa im blauen Kleid, 1659 (detail), Öl auf Leinwand. 127 × 107 cm. Kunsthistorisches Museum, Wien

Die Ausstellung vereint Meisterwerke, die die Weite und Qualität der habsburgischen Kaiserlichen Sammlungen bezeugen, die im Laufe der Jahrhunderte als Instrument politischer, kultureller und symbolischer Selbstbehauptung aufgebaut wurden. Gemälde, Skulpturen und Kunstobjekte treten in einem Parcours in Dialog, der dem Publikum die Komplexität einer Epoche vermittelt, in der das Sammeln nicht bloße Anhäufung war, sondern Ausdruck einer Weltanschauung und einer präzisen dynastischen Strategie. Rom, Stadt der Schichten und Erinnerungen, wird so zur Bühne einer Begegnung zwischen zwei Hauptstädten der europäischen Geschichte, vereint durch die universelle Sprache der Kunst und durch eine gemeinsame Tendenz zur Darstellung von Macht.

Die Habsburger und der Aufbau einer kaiserlichen Sammlung

Der theoretische Kern der Ausstellung wird durch die Dynastie der Habsburger und ihre entscheidende Rolle bei der Definition einer modernen Idee des Sammelwesens gebildet. Durch eine kohärente und weitsichtige Kulturpolitik verwandelten die Habsburger das Sammeln von Kunstwerken in ein Instrument der Selbstdarstellung und der Festigung ihrer Macht.

Eine europäische Dynastie zwischen Politik und Kultur

Vom späten Mittelalter bis in die Neuzeit herrschten die Habsburger über ausgedehnte Gebiete, die sich von Mitteleuropa bis zur Iberischen Halbinsel, von den Niederlanden bis nach Italien erstreckten. Diese supranationale Dimension spiegelt sich in den kaiserlichen Sammlungen wider, die Werke verschiedener europäischer Kunstschulen umfassen. Die Kunst wird so zum Spiegel einer politischen Vision, die auf der Universalität des Imperiums und auf dem Aufbau eines gemeinsamen dynastischen Gedächtnisses beruht.

Die flämische Schule

Die Präsenz flämischer Meister spiegelt die dynastische Verbindung zwischen den Habsburgern und den Niederlanden wider. Die nordische Malerei mit ihrer Aufmerksamkeit für Details und materielle Wiedergabe führt eine Bildsprache ein, in der Realismus und Symbolismus in feinem Gleichgewicht koexistieren.

Heiratspolitik und künstlerisches Erbe

Die berühmten habsburgischen Heiratsallianzen hatten nicht nur geopolitische Auswirkungen, sondern führten auch zur Übertragung von Werken, Schätzen und ganzen Sammlungen zwischen den europäischen Höfen. Auf diese Weise bereicherte sich die kaiserliche Sammlung um flämische, italienische und spanische Meisterwerke und schuf ein Erbe von außergewöhnlicher stilistischer und ikonographischer Vielfalt.

Das Sammeln als Sprache der Macht

Im Kontext der Frühen Neuzeit nimmt das habsburgische Sammelwesen eine symbolische Dimension an. Die Werke sind nicht einfach wertvolle Objekte, sondern Instrumente politischer Kommunikation. Die Wahl der Sujets – offizielle Porträts, mythologische Szenen, Allegorien der Tugend und der Gerechtigkeit – trägt dazu bei, das Idealbild des Herrschers zu formen.

Die Entstehung einer modernen Museumsvorstellung

Die fortschreitende Organisation der kaiserlichen Sammlungen deutet die Entstehung des öffentlichen Museums an. Das Kunsthistorisches Museum, das zur Bewahrung dieses Erbes gegründet wurde, stellt das Ergebnis eines langen Prozesses der Systematisierung und Aufwertung dar, in dem die private Dimension der Sammlung in ein gemeinsames Kulturgut überführt wird.

Renaissance und Barock

Die Ausstellung ermöglicht es, zwei grundlegende Epochen der europäischen Kunstgeschichte zu durchschreiten: die Renaissance und den Barock. Die habsburgischen Sammlungen erscheinen als visueller Atlas, der die Entwicklung der Bildsprachen zwischen dem 15. und 17. Jahrhundert dokumentiert und einen privilegierten Blick auf die ästhetischen und ideologischen Transformationen der Epoche bietet.

Das Erbe der italienischen Renaissance

Die Renaissance stellt für die Habsburger ein unverzichtbares kulturelles Modell dar. Die Bewunderung für die italienische Kunst äußert sich im Erwerb von Werken, die die Prinzipien von Harmonie, Proportion und Zentralität des Menschen verkörpern. Die Renaissance-Malerei mit ihrem Streben nach kompositorischem Gleichgewicht und narrativer Klarheit wird zum Paradigma von Zivilisation und Prestige.

Die Zentralität von Zeichnung und Perspektive

Die im Rundgang präsentierten Renaissancewerke unterstreichen die Bedeutung der Zeichnung als Grundlage der Form und der Perspektive als Instrument der Raumorganisation. In ihnen zeigt sich der Anspruch, der sichtbaren Welt eine rationale Ordnung zu verleihen – im Einklang mit der politischen Vision eines geordneten und hierarchischen Imperiums.

Die Theatralik des europäischen Barock

Mit dem 17. Jahrhundert wird die Bildsprache dynamischer und dramatischer. Der Barock bringt eine neue Sensibilität zum Ausdruck, die von Bewegung, Pathos und intensiver Lichtführung geprägt ist. Werke aus dem flämischen und italienischen Raum zeigen, wie die Kunst zum Medium von Emotion und Überzeugung wird, im Einklang mit den Anforderungen der Gegenreformation und der Selbstdarstellung absoluter Macht.

Rubens und die internationale Dimension des Barock

Die Präsenz von Werken aus dem Umkreis von Peter Paul Rubens bezeugt die internationale Ausrichtung des habsburgischen Hofes. Rubens, Künstler und Diplomat, verkörpert in idealer Weise die Verbindung von Kunst und Politik: Seine monumentalen Kompositionen, belebt von gedrehten Körpern und intensiven, vibrierenden Farbklängen, übersetzen die Komplexität des barocken Europas in Bilder.

Die Werke, die der Kultur von Peter Paul Rubens zugeordnet werden können, bringen die Vitalität und Dynamik des Barock zum Ausdruck. Bewegte Körper und diagonale Kompositionen übersetzen die geistige und politische Spannung des europäischen 17. Jahrhunderts ins Bild.

Der Ausstellungsparcours

Das kuratorische Projekt entwickelt sich nach einer Struktur, die Chronologie und Themen miteinander verknüpft, sodass der Besucher nicht nur die stilistische Entwicklung der Werke, sondern auch den historischen und ideologischen Kontext ihrer Erwerbung nachvollziehen kann.

Die Darstellung der Souveränität

Ein erster Abschnitt ist der Konstruktion des Herrscherbildes gewidmet. Offizielle Porträts, gekennzeichnet durch eine strenge Frontalität oder feierliche Posen, definieren ein ikonographisches Modell, das Autorität, Kontinuität und Legitimität zum Ausdruck bringen soll.

Symbole, Attribute und visuelle Codes

Jedes ikonographische Element – von der Rüstung über heraldische Wappen, von kostbaren Stoffen bis zu symbolischen Objekten – trägt zur Ausbildung einer kodifizierten Sprache der Macht bei. Die Analyse dieser Details offenbart die Komplexität der visuellen Kommunikation in der Frühen Neuzeit.

Die Wunderkammer und das universale Wissen

Ein weiterer Schwerpunkt vertieft das Thema der Wunderkammer, der „Kammer der Wunder“, die Kunstwerke, seltene Objekte und Naturalia vereinte. Dieses Modell spiegelt das Streben nach enzyklopädischem Wissen wider, in dem sich der Herrscher als Garant der Ordnung der Welt präsentiert.

Kunst, Natur und Staunen

Das Nebeneinander von künstlerischen Artefakten und Naturgegenständen legt eine einheitliche Wissensvorstellung nahe. Die Kunst ist nicht von der Wissenschaft getrennt, sondern bildet deren symbolische Ergänzung und trägt dazu bei, das Bild einer Macht zu definieren, die fähig ist, die Realität zu begreifen und zu beherrschen.

Der Dialog mit Rom

Die Ankunft der Ausstellung in Rom erhält eine besondere Bedeutung. Die Stadt, Zentrum der Christenheit und Ort jahrtausendelanger künstlerischer Schichtung, bietet einen idealen Kontext, um über das Verhältnis zwischen Tradition und Macht nachzudenken. Der Vergleich zwischen den Wiener Werken und dem historischen Gedächtnis Roms bereichert die Lektüre des Ausstellungsparcours.

Die italienische Schule ist durch Werke vertreten, die die Zentralität der Zeichnung, die kompositorische Harmonie und den souveränen Umgang mit Licht hervorheben. In ihnen erkennt man das Erbe einer Tradition, die von der Renaissance bis zum Barock die Parameter der westlichen Kunst neu definiert hat.

Eine kulturelle Brücke zwischen Wien und Rom

Die Ausstellung versteht sich als kulturelle Brücke zwischen zwei symbolischen Hauptstädten Europas. Durch den Dialog zwischen den Werken und dem Ausstellungsraum wird der Besucher eingeladen, die Kunstgeschichte als Geflecht von Beziehungen, Austausch und gegenseitigen Einflüssen zu betrachten.

Von der Ausgewogenheit der Renaissance bis zur Dramatik des Barock ermöglicht der Parcours, die Transformationen der Bildsprache nachzuvollziehen, und bietet einen differenzierten Blick auf die stilistischen Dynamiken, die Europa durchzogen haben.

Warum die Ausstellung besuchen

Der Besuch stellt eine Vertiefungsmöglichkeit für Wissenschaftler, Liebhaber und ein gebildetes Publikum dar. Die Ausstellung erlaubt es, Werke aus nächster Nähe zu betrachten, die außerhalb ihres Wiener Standorts nur selten zu sehen sind, und bietet eine umfassende Perspektive auf die europäische Bildkultur. Die Schau beschränkt sich nicht darauf, Meisterwerke zu präsentieren, sondern regt eine Reflexion über die Rolle der Kunst als Instrument der Repräsentation und Identitätsbildung an.

Eine kritische und bewusste Erfahrung

Die wissenschaftliche Strenge des kuratorischen Konzepts, verbunden mit der Qualität der ausgewählten Werke, ermöglicht eine nicht oberflächliche, sondern reflektierte Rezeption. Die Ausstellung lädt dazu ein, über das Verhältnis zwischen Kunst und Macht sowie zwischen Sammeln und kultureller Identität nachzudenken.

Eine Gelegenheit, Europa zu verstehen

In einem zeitgenössischen Kontext, der von Spannungen und identitären Neubestimmungen geprägt ist, bietet der Ausstellungsparcours die Möglichkeit, die gemeinsamen Wurzeln der europäischen Kultur wiederzuentdecken. Die Wunder der Habsburger werden so zu einem Instrument der Erkenntnis und historischen Reflexion und geben der Kunst ihre primäre Funktion als Zeugnis und Gedächtnis zurück.

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