29 Januar - 29 November 2026
„Venus“ präsentiert sich als bedeutendes Ausstellungsprojekt, konzipiert als neues Kapitel innerhalb der von Valentino Garavani und Giancarlo Giammetti initiierten kulturellen Vision. Durch die Augen von Joana Vasconcelos wird Schönheit als dynamische und transformative Kraft neu betrachtet. Es ist eine immersive Reise, in der Mythos, Handwerk und kollektive Teilhabe zusammenfinden und die kulturelle Rolle innerhalb der zeitgenössischen Stadt neu definieren.
PM23, Fondazione Valentino Garavani e Giancarlo Giammetti – Piazza Mignanelli 23
Als zugleich künstlerische und bürgerschaftliche Geste konzipiert, bekräftigt die Ausstellung das Engagement, der Stadt einen Raum zurückzugeben, der Kunst, Mode und Kultur als Instrumente des Dialogs und des gesellschaftlichen Wachstums gewidmet ist. Schönheit wird nicht als statisches Ideal präsentiert, sondern als aktive Kraft, die Bedeutung und Transformation erzeugen kann. Durch den Blick von Joana Vasconcelos wird der Ausstellungsraum zu einem Ort, an dem ästhetische Erfahrung auf ethische Reflexion trifft und kulturelle Produktion sich mit zeitgenössischen Komplexitäten auseinandersetzt.
Im Zentrum von Venus steht die Überzeugung, dass Schönheit geteilt und kontinuierlich neu definiert werden muss. Künstlerisches Schaffen und Haute Couture werden als komplementäre Sprachen verstanden, die in der Lage sind, das kollektive Imaginäre zu formen. Durch Mythos, zeitgenössische künstlerische Forschung und partizipative Praktiken bietet die Ausstellung eine Reflexion über die kulturelle und gesellschaftliche Aktualität der Schönheit.
Die Ausstellung entlehnt ihren Titel der Venus, einer Figur, die seit Jahrhunderten die westliche Kultur als Symbol für Schönheit, Begehren und schöpferische Kraft durchzieht. In diesem Kontext ist Venus weder nostalgisches Zitat noch bloßer ikonografischer Verweis, sondern ein operatives Konzept: ein Archetyp, durch den die Gegenwart befragt wird. Die mythologische Dimension wird reaktiviert und neu interpretiert, wodurch neue Bedeutungen entstehen, die mit zeitgenössischen Fragen zu Identität, Resilienz und kollektiver Verantwortung in Resonanz treten.
In Venus wird Schönheit als dynamisches Prinzip verstanden, das Harmonie erzeugen und – in erweiterter Perspektive – Möglichkeiten von Gleichgewicht und sozialer Gerechtigkeit imaginieren kann. Diese von Joana Vasconcelos ausdrücklich formulierte Idee durchzieht das gesamte Projekt. Schönheit ist nicht von der Realität getrennt, sondern tief mit ihr verwoben und wirkt als Katalysator für Bewusstsein und Veränderung. Die Ausstellung schlägt somit eine Vorstellung von Schönheit als ethische und politische Dimension vor, die der Fragmentierung entgegenwirken und Formen der Solidarität in einer von wachsenden sozialen Bruchlinien geprägten Welt fördern kann.
Durch Abstraktion interpretiert Vasconcelos Kleider, Formen und textile Oberflächen neu, die mit dem Erbe von Valentino Garavani verbunden sind, und entwickelt eine visuelle Sprache, die die Haute Couture nicht imitiert, sondern mit ihr einen tiefgehenden Dialog eingeht. Die Werke evozieren die mythologische Figur einer Venus mit Zügen einer Walküre: eine abstrakte Heldin, die Stärke, Schutz und Resilienz verkörpert. Diese Neuinterpretation verortet Venus fest in der Gegenwart und verwandelt sie in ein Emblem zeitgenössischer Vitalität und Widerstandskraft.
Das pulsierende Herz der Ausstellung ist die Präsenz von Joana Vasconcelos, deren Praxis für die Fähigkeit anerkannt ist, Monumentalität und handwerkliche Raffinesse, konzeptuelle Strenge und emotionale Intensität zu verbinden. In Venus tritt ihre Arbeit in einen direkten und bedeutungsvollen Dialog mit dem Erbe von Valentino Garavani, wodurch ein Austausch entsteht, der sich entlang des Ausstellungsparcours entfaltet und in einer schwebenden, kontemplativen Konvergenz gipfelt.
Die monumentale Installation von Vasconcelos bildet den konzeptuellen und visuellen Mittelpunkt der Ausstellung. Aus Tausenden dekorativer Elemente zusammengesetzt, formt das Werk eine zeitgenössische und abstrakte Heldin – Verkörperung von Kraft, Schutz und Widerstand. Die Figur der Venus erscheint nicht als idealisierter Körper, sondern als kollektive Präsenz, geformt durch die Akkumulation von Gesten, Materialien und menschlichen Beiträgen.
Das Werk Venus, von der Künstlerin konzipiert und durch den Beitrag Tausender Hände sowie zehn renommierter institutioneller Partner realisiert, erweist sich zugleich als künstlerisches und soziales Dispositiv. An seiner Entstehung beteiligten sich über hundert Studierende von Kunst- und Modeakademien, unterstützt von Gemeinschaften und lokalen Einrichtungen – in einem Prozess, der die Produktion des Werks in eine geteilte Erfahrung des Lernens und der Ko-Kreation verwandelte.
Die Oberfläche des Werks, dicht mit textilen Modulen und ornamentalen Komponenten besetzt, spiegelt einen tiefen Respekt für das Handwerk als Speicher von Wissen und Erinnerung wider. Im Dialog mit der Haute Couture – verstanden als Disziplin majestätischer Schönheit und kundiger, beinahe hieratischer Exzellenz – schlägt Vasconcelos eine Brücke zwischen künstlerischer Abstraktion und sartorialer Intelligenz. Daraus entsteht eine kraftvolle Synthese, in der materielle Komplexität zum Träger symbolischer Tiefe wird.
Der Ausstellungsparcours von „Venus“ ist als nicht-lineare Route konzipiert, strukturiert durch thematische Resonanzen statt chronologischer Abfolgen. Emblematische Werke von Joana Vasconcelos treten in Dialog mit neu konzipierten ortsspezifischen Installationen, inspiriert vom ästhetischen und materiellen Universum von Valentino Garavani. Dieser kuratorische Ansatz lädt die Besucherinnen und Besucher ein, sich intuitiv im Raum zu orientieren und Prozesse der Assoziation, des Kontrasts und der Reflexion zu aktivieren.
Innerhalb dieses Dialogs erscheint das Erbe von Valentino Garavani und Giancarlo Giammetti als grundlegende Präsenz. Mehr als ein Modehaus repräsentiert ihre gemeinsame Vision ein Modell kreativer und unternehmerischer Zusammenarbeit, das die zeitgenössische Haute Couture nachhaltig geprägt hat. Die Ausstellung würdigt ihre langjährige Partnerschaft und zeigt auf, wie künstlerische Sensibilität und unternehmerische Weitsicht in der Konstruktion eines globalen kulturellen Phänomens zusammenfanden, das in Handwerk, Strenge und ästhetischer Kohärenz verwurzelt ist.
Im Zentrum dieser Erzählung steht die außergewöhnliche Zusammenarbeit zwischen Valentino Garavani und Giancarlo Giammetti. Seit der Gründung der Maison in Rom im Jahr 1960 verkörpert ihre Verbindung ein seltenes Gleichgewicht zwischen künstlerischer Inspiration und strategischer Vision. Das Streben nach formaler Perfektion, chromatischer Harmonie und zeitloser Eleganz von Valentino fand in Giammetti eine komplementäre Kraft, die Kreativität in institutionelle Struktur und internationale Expansion zu übersetzen vermochte.
Die Ausstellung untersucht diese doppelte Autorschaft nicht nur anhand von Archivmaterialien, Skizzen, Kleidern und visueller Dokumentation, sondern auch durch die Evokation der immateriellen Dimension ihres Dialogs: eine geteilte Intuition von Schönheit als Disziplin und als emotionale Intensität. Ihre Beziehung zeigt, wie Haute Couture die Dimension des Bekleidens überschreiten und zur kulturellen Sprache werden kann, die das kollektive Imaginäre formt und die Kanons der Raffinesse neu definiert.
Einer der charakteristischen Aspekte von Venus ist ihr Anspruch als ambitioniertes partizipatives Kunstprojekt. Das monumentale Werk im Zentrum der Ausstellung wurde von der Künstlerin konzipiert und durch die Zusammenarbeit Tausender Hände realisiert, wodurch der Akt des Herstellens in eine geteilte Erfahrung verwandelt wurde. Über 756 Stunden Workshops und die Beteiligung von mehr als 200 Teilnehmenden unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Herkunft bezeugen die breite soziale Reichweite der Initiative.
An der Realisierung des Werks beteiligten sich Studierende von Kunst- und Modeakademien, Patientinnen und Patienten sowie Angehörige von Gesundheitseinrichtungen, Frauen aus Aufnahmezentren für Geflüchtete und Gewaltopfer sowie Inhaftierte aus Justizvollzugsanstalten. Über 200 Kilogramm gehäkelter Module wurden an verschiedenen Orten der Stadt produziert und in das Atelier der Künstlerin in Lissabon geschickt, wo sie in einer einzigen kollektiven Geste zusammengeführt wurden. Dieser Prozess stellt die Weitergabe von Wissen und Traditionen als Instrumente von Empowerment, Fürsorge und geteilter Resilienz in den Vordergrund.
In diesem Kontext klingen die historisch mit der von Valentino Garavani und Giancarlo Giammetti gegründeten Maison verbundenen Werte – Aufmerksamkeit für Handwerklichkeit, Respekt für manuelles Wissen und intergenerationeller Dialog – mit der partizipativen Dimension des Projekts zusammen. Die Ausstellung schlägt so eine Brücke zwischen Haute Couture und kollektiver Praxis, zwischen Exzellenz und Inklusion, und bekräftigt Schönheit als geteilte und transformative Kraft.
Venus zu besuchen bedeutet, sich mit einer Vision von Kunst und Mode auseinanderzusetzen, die über die ästhetische Kontemplation hinausgeht und eine umfassendere soziale Verantwortung umfasst. Die Ausstellung bietet eine seltene Gelegenheit zu beobachten, wie Schönheit als verbindende Kraft wirken kann, die Dialoge zwischen Disziplinen, Gemeinschaften und individuellen Erfahrungen hervorbringt.
Durch die Zentralität von Partizipation, Handwerk und kulturellem Gedächtnis schlägt Venus ein Modell künstlerischer Praxis vor, das auf Solidarität und kollektiver Imagination basiert. Diese kollektive Dimension bleibt nicht auf den Ausstellungsraum beschränkt, sondern dehnt sich in das urbane Gefüge aus und tritt in direkten Dialog mit einigen der emblematischsten Orte der Hauptstadt.
Auf der Piazza Mignanelli, einem historischen Stadtraum am Fuße der Trinità dei Monti und Sitz der Maison Valentino, setzt sich die Installation I’ll Be Your Mirror mit der öffentlichen und monumentalen Dimension der barocken Stadt auseinander. Das Werk fungiert als symbolische reflektierende Oberfläche und lädt das Publikum ein, sich im kollektiven Raum wiederzuerkennen und das Verhältnis zwischen individueller Identität und gemeinsamem Imaginären zu hinterfragen.
Auf der Terrazza del Pincio, dem Panoramablick schlechthin über die Stadt, führt die Installation Solitaire eine skulpturale Präsenz ein, die mit der urbanen Landschaft und der kontemplativen Dimension des Aussichtspunkts in Dialog tritt.
Hier misst sich das Werk mit dem Horizont und mit der romantischen Tradition des Blicks auf die Ewige Stadt und verwandelt den Beobachtungspunkt in einen Raum der Meditation über Schönheit als zugleich geteilte und intime Erfahrung. Der Eingriff verändert vorübergehend die Wahrnehmung des Panoramas, indem er ein zeitgenössisches Element in ein historisch geschichtetes Szenario einfügt.
An der Ara Pacis, einem augusteischen Monument und Symbol für Frieden und imperiale Gründung, setzt die Installation Drag Race einen dynamischen und ironischen Eingriff, der mit der Feierlichkeit der antiken Architektur und dem zeitgenössischen Minimalismus des von Richard Meier entworfenen Museums kontrastiert.
Das Werk aktiviert einen Dialog zwischen Antike und Gegenwart, zwischen historischer Monumentalität und aktuellen künstlerischen Sprachen, und bekräftigt die Berufung Roms als Raum von Überlagerung und kontinuierlicher Transformation. In diesem Kontext ist Schönheit keine unbewegliche Feier der Vergangenheit, sondern ein lebendiger Prozess, der fähig ist, die Bedeutung von Orten durch neue Erzählungen neu zu schreiben.
Durch diese verteilten Installationen erweist sich Venus nicht nur als Ausstellung, sondern als eigentliche urbane Geografie der Schönheit. Das Projekt erweitert seinen Wirkungsradius über die Museumswände hinaus und bezieht Plätze, Aussichtsterrassen und monumentale Komplexe in einen Parcours ein, der zeitgenössische Kunst, Haute Couture und öffentlichen Raum miteinander verknüpft.
Die Stadt wird so zu einem integralen Bestandteil des Ausstellungsdispositivs: nicht bloße Kulisse, sondern aktive Gesprächspartnerin. Jeder Eingriff definiert die Wahrnehmung der Orte vorübergehend neu und lädt Bürgerinnen, Bürger und Besucher ein, Rom als offenes Labor zu erleben, in dem historisches Gedächtnis und zeitgenössische Forschung in produktiver Spannung koexistieren.
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