Hokusai. Der große Meister der japanischen Kunst,

27 März - 29 Juni 2026

Eine fundierte und maßgebliche Gesamtschau einer der gefeiertsten Persönlichkeiten des ukiyo-e. Die Ausstellung zeichnet die künstlerische Entwicklung Hokusais und seinen tiefgreifenden Einfluss auf die japanische wie auch die westliche Bildkultur nach und entfaltet eine differenzierte Erzählung, die historische Tiefe, ästhetische Strenge und kulturelle Einsicht miteinander verbindet.

Palazzo Bonaparte – Piazza Venezia, 5

Hokusai. Die große Welle vor Kanagawa
Die große Welle vor Kanagawa (1830–1833). Technik: Holzschnitt, 25,7 × 37,9 cm, Ukiyo-e-Stil

„Hokusai – The Great Master of Japanese Art“ zählt zu den bedeutendsten Ausstellungen, die in Rom der japanischen Kunst gewidmet sind, und bietet eine stringente und vielschichtige Auseinandersetzung mit dem Werk von Katsushika Hokusai (1760–1849). Als wissenschaftlich fundiertes und zugleich zugängliches Projekt konzipiert, beleuchtet die Ausstellung die lange und rastlose Laufbahn des Künstlers und hebt seine Fähigkeit hervor, traditionelle Ikonografien in eine dynamische und innovative Bildsprache zu überführen.

Durch einen sorgfältig strukturierten kuratorischen Ansatz verortet die Ausstellung Hokusai im kulturellen und intellektuellen Kontext des Japan der Edo-Zeit und thematisiert zugleich seinen außergewöhnlichen Einfluss auf die Entwicklung der modernen westlichen Kunst. Das Projekt entfaltet sich als visuelle und konzeptuelle Reise und lädt dazu ein, sich mit Themen wie Natur, Landschaft, Alltagsleben sowie der Beziehung zwischen menschlicher Erfahrung und den Kräften der natürlichen Welt auseinanderzusetzen. Ohne auf eine feierliche Rhetorik zurückzugreifen, stellt die Ausstellung die Komplexität von Hokusais Vision in den Vordergrund und unterstreicht seine zentrale Rolle in der globalen Kunstgeschichte.

Das Ausstellungsthema: Hokusai und die Welt des Ukiyo-e

Im Zentrum der Ausstellung steht eine vertiefte Auseinandersetzung mit dem ukiyo-e, jener Kunstgattung, die zwischen dem 17. und dem 19. Jahrhundert in Japan zur Blüte gelangte und innerhalb derer Hokusai seine unverwechselbare künstlerische Stimme entwickelte. Wörtlich als „Bilder der fließenden Welt“ übersetzt, umfasst das ukiyo-e Szenen des urbanen Lebens, Landschaften, Schauspieler, Kurtisanen und Ausdrucksformen der populären Kultur und spiegelt die Geschmäcker und Sehnsüchte einer sich rasch wandelnden Gesellschaft wider. Hokusais Beitrag zu dieser Tradition war zugleich radikal und transformativ: In voller Kenntnis ihrer Konventionen erweiterte er konsequent deren thematische und formale Grenzen.

Jenseits der Konvention: Innovation innerhalb der Tradition

Hokusais Werk zeugt von einem ausgeprägten Bewusstsein für das visuelle Erbe der japanischen Malerei und Druckgrafik, ist jedoch zugleich von einem unermüdlichen Streben nach Experiment geprägt. Seine Kompositionen zeichnen sich häufig durch kühne Perspektiven, asymmetrische Strukturen und einen differenzierten Einsatz der Linie aus, der etablierte Normen hinter sich lässt. Die Ausstellung verdeutlicht, wie Hokusai die Möglichkeiten des Holzschnitts neu definierte und ihn von einem populären Medium zu einem Träger tiefgehenden künstlerischen Ausdrucks erhob.

Figuren des Ukiyo-e: Die menschliche Präsenz in der fließenden Welt

Innerhalb des visuellen Kosmos des ukiyo-e nimmt die Darstellung der menschlichen Figur eine zentrale und vielschichtige Rolle ein. Weit davon entfernt, bloße narrative Beiwerke zu sein, formulieren die Figuren der ukiyo-e-Drucke eine komplexe Reflexion über Identität, soziale Rollen und die Vergänglichkeit der Existenz im Japan der Edo-Zeit. Hokusai nähert sich der menschlichen Figur nicht als idealisierter Form, sondern als lebendiger Präsenz, eingebettet in alltägliche Gesten, Arbeit, Muße und Rituale, und offenbart dabei eine tiefe Sensibilität für die Rhythmen des gewöhnlichen Lebens.

Alltagsleben und soziale Typologien

Handwerker, Fischer, Reisende, Frauen bei häuslichen Tätigkeiten und Darsteller bevölkern Hokusais Drucke mit einem bemerkenswerten Gefühl von Unmittelbarkeit. Diese Figuren sind weniger durch individuelle Porträtierung als durch ihre typologische Klarheit definiert und verkörpern wiedererkennbare Rollen innerhalb des urbanen und ländlichen Gefüges der japanischen Gesellschaft. Durch eine ökonomische Linienführung und eine expressive Körperhaltung vermittelt Hokusai Bewegung, Anstrengung und Emotion und verwandelt flüchtige Augenblicke in dauerhafte Bildaussagen.

Der Körper in Bewegung und die Dynamik der Geste

Ein charakteristisches Merkmal von Hokusais figurativer Sprache ist die Betonung der körperlichen Bewegung. Die Figuren beugen sich, spannen sich an, gehen, tragen und arbeiten, häufig in direkter Interaktion mit natürlichen Kräften oder architektonischen Räumen. Diese dynamische Behandlung unterstreicht die physische Dimension menschlicher Existenz und positioniert den Körper als Vermittler zwischen Individuum und Umwelt. Die Geste wird so zu einem grundlegenden Ausdrucksmittel, das Erzählung, Arbeit oder Kontemplation ohne explizite Narration zu suggerieren vermag.

Menschliche Figuren und die vergängliche Natur des Ukiyo

Im Einklang mit den philosophischen Grundlagen des ukiyo, der „fließenden Welt“, erscheinen menschliche Figuren häufig als transitorische Präsenzen, vertieft in Handlungen, die die Vergänglichkeit der Erfahrung betonen. Ob dem Vergnügen, der Arbeit oder dem Reisen gewidmet, sind sie dem Lauf der Zeit, dem Wandel und der Kontingenz unterworfen. Hokusais Behandlung der menschlichen Figur steht somit in Resonanz mit weiter gefassten kulturellen Reflexionen über Vergänglichkeit und verbindet visuelle Form mit ethischem und existenziellem Bewusstsein.

Die Natur als zentrales Motiv

Ein wiederkehrendes Thema der gesamten Ausstellung ist die Natur, die nicht lediglich als Hintergrund, sondern als aktive und oft dominante Präsenz verstanden wird. Berge, Flüsse, Wellen und atmosphärische Phänomene werden zu Protagonisten von Hokusais Bildwelt und verkörpern sowohl die Schönheit als auch die Unberechenbarkeit der natürlichen Welt. Dieser Ansatz reflektiert tief verwurzelte philosophische und spirituelle Strömungen der japanischen Kultur, insbesondere shintoistische und buddhistische Vorstellungen vom Platz des Menschen im kosmischen Gefüge.

Der Berg Fuji als Symbol und Struktur

Dem Berg Fuji, einem zentralen Sujet in Hokusais Œuvre, wird besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Durch wiederholte Variationen verwandelt sich der Berg in eine ordnende Achse, um die Fragen von Beständigkeit, Wandel und Wahrnehmung kreisen. Die Ausstellung verortet diese Werke im religiösen und kulturellen Bedeutungsrahmen des Fuji und analysiert zugleich ihre formalen Innovationen und ihre kompositorische Klarheit.

Katsushika Hokusai: Leben, Identität und künstlerische Entwicklung

Hokusais Kunst zu verstehen erfordert die Auseinandersetzung mit der Komplexität seiner Biografie und der ständigen Wandlung seiner künstlerischen Identität. Im Verlauf seiner langen Karriere nahm er zahlreiche Namen an, von denen jeder eine neue Phase seiner kreativen Entwicklung markierte. Diese Praxis ist weit mehr als eine biografische Kuriosität und spiegelt ein tiefes Verständnis des künstlerischen Lebens als fortwährenden Erneuerungsprozess wider.

Eine rastlose Karriere

In Edo (dem heutigen Tokio) geboren, war Hokusai über mehr als sieben Jahrzehnte hinweg künstlerisch tätig und schuf ein außergewöhnliches Œuvre, das illustrierte Bücher, Einzelblattdrucke, Zeichnungen und Gemälde umfasst. Die Ausstellung zeichnet diese Entwicklung chronologisch nach und ermöglicht es, sowohl Kontinuitäten als auch Transformationen seiner Bildsprache zu erkennen. Frühwerke zeugen von seiner Auseinandersetzung mit populären Themen, während die späten Arbeiten ein wachsendes Interesse an Landschaft, Abstraktion und formaler Synthese offenbaren.

Der Künstler als Beobachter der Welt

Hokusais ausgeprägte Beobachtungsgabe zeigt sich in seinen Darstellungen des Alltagslebens, in denen Gesten, Haltungen und Tätigkeiten mit Ökonomie und Präzision wiedergegeben sind. Die Ausstellung macht deutlich, wie diese Szenen, obwohl sie fest im spezifischen Kontext der Gesellschaft der Edo-Zeit verankert sind, eine universelle Resonanz besitzen, die Zeit und geografische Grenzen überschreitet.

Die Zeichnung als Grundlage

Ein eigener Abschnitt widmet sich Hokusais Zeichenpraxis, die das Fundament seines gesamten Schaffens bildet. Skizzenbücher und vorbereitende Studien offenbaren seinen methodischen Umgang mit Form und Bewegung sowie seine Fähigkeit, komplexe Szenen auf wesentliche visuelle Elemente zu reduzieren. Diese Materialien gewähren seltene Einblicke in die intellektuelle Disziplin, die seine außergewöhnliche Produktivität trug.

Der Ausstellungsparcours

Der Ausstellungsparcours von ist als thematische und chronologische Abfolge konzipiert, die die Besucher durch die wesentlichen Phasen der künstlerischen Laufbahn führt und zugleich zentrale konzeptuelle Fragestellungen hervorhebt. Die Gestaltung fördert eine konzentrierte Betrachtung der Werke und vertieft das Verständnis für Hokusais technische Meisterschaft und kompositorische Intelligenz.

Von urbanen Szenen zu monumentalen Landschaften

Die einleitenden Bereiche konzentrieren sich auf Hokusais Auseinandersetzung mit der lebendigen urbanen Kultur Edos und präsentieren Werke, die Handwerker, Schauspieler und Szenen des täglichen Lebens darstellen. Allmählich verschiebt sich der Fokus hin zur Landschaft, in der Hokusais Vision ein höheres Maß an Ambition und Universalität erreicht. Dieser Übergang wird nicht als Bruch verstanden, sondern als logische Fortsetzung seines Interesses an Rhythmus, Bewegung und räumlicher Organisation.

Die Sprache des Holzschnitts

Ein wesentlicher Teil der Ausstellung ist den technischen Aspekten des Holzschnitts gewidmet. Anhand ausgewählter Werke werden die Besucher eingeladen, die kollaborative Natur des Entstehungsprozesses zu reflektieren, an dem Entwerfer, Holzschneider und Drucker beteiligt sind. Die Ausstellung unterstreicht, wie Hokusai das expressive Potenzial von Linie, Farbe und Textur nutzte, um Effekte von außergewöhnlicher Klarheit und Dynamik zu erzielen.

Farbe, Linie und Perspektive

Die detaillierte Analyse ausgewählter Drucke zeigt Hokusais innovativen Einsatz importierter Pigmente, wie etwa des Preußischblaus, sowie seine Auseinandersetzung mit westlichen Perspektivprinzipien. Diese Elemente werden nicht als isolierte Kuriositäten betrachtet, sondern als integrale Bestandteile einer umfassenderen visuellen Strategie, die darauf abzielte, den Ausdrucksraum der japanischen Kunst zu erweitern.

Warum man die Ausstellung besuchen sollte

Besuchen Sie die Ausstellung bietet eine seltene Gelegenheit, einem Künstler zu begegnen, dessen Werk die visuelle Vorstellungskraft zahlreicher Kulturen nachhaltig geprägt hat. Die Ausstellung stellt sowohl eine fundierte Einführung für Besucher dar, die sich erstmals mit japanischer Kunst beschäftigen, als auch eine differenzierte und kritische Perspektive für Fachleute und ein informiertes Publikum.

Hokusai und die Entstehung einer globalen visuellen Kultur

Die Ausstellung thematisiert Hokusais nachhaltigen Einfluss auf westliche Künstler des 19. und 20. Jahrhunderts, vom Impressionismus bis zum modernen Grafikdesign. Indem sein Werk in einen transnationalen Rahmen gestellt wird, beleuchtet das Projekt die Mechanismen des künstlerischen Austauschs und die Entstehung einer wahrhaft globalen visuellen Kultur.

Eine intellektuelle und ästhetische Erfahrung

Über ihre historische Bedeutung hinaus lädt die Ausstellung zur Reflexion über grundlegende Fragen von Wahrnehmung, Natur und Kreativität ein. Hokusais Fähigkeit, formale Strenge mit imaginativer Freiheit zu verbinden, steht in Resonanz mit zeitgenössischen Fragestellungen und macht die Ausstellung zu einem zugleich aktuellen und intellektuell anregenden Erlebnis.

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