11 Dezember - 6 April 2026
Cara Città (abbracciami) ist ein bedeutendes Ausstellungsprojekt, das Rom als lebendigen, emotionalen und symbolischen Organismus reflektiert. Als vielschichtige Untersuchung der zeitgenössischen Stadt konzipiert, erforscht die Ausstellung den urbanen Raum als Ort von Erinnerung, Identität und kollektiver Imagination. Durch eine Vielzahl künstlerischer Ausdrucksformen lädt das Projekt dazu ein, die Beziehung zu Rom neu zu denken – nicht als statisches Monument, sondern als fragilen und sich ständig wandelnden Körper, geprägt von Geschichte, Begehren und dem Alltag.
MACRO – Museo d’Arte Contemporanea di Roma, Via Nizza 138
Cara Città (abbracciami) entfaltet sich als ein komplexes und vielschichtiges Ausstellungsprojekt, das Rom gewidmet ist und die Stadt nicht lediglich als urbanes Umfeld, sondern als lebendiges, emotionales und symbolisches Wesen begreift. Die Ausstellung rückt die Stadt in den Mittelpunkt einer umfassenden künstlerischen und kritischen Reflexion und thematisiert ihre historischen Schichtungen, sozialen Spannungen und affektiven Dimensionen. Rom erscheint hier zugleich als Subjekt und Gesprächspartner: eine Stadt, die schützt und zurückweist, empfängt und verletzt, Erinnerung bewahrt und sich zugleich kontinuierlich verwandelt.
Durch eine sorgfältig ausgearbeitete kuratorische Vision schlägt das Projekt eine neue Lesart der zeitgenössischen Metropole vor und betont die Fähigkeit der Stadt, Narrative, Bilder und Konflikte hervorzubringen, die weit über ihre geografischen Grenzen hinauswirken. Die Ausstellung verzichtet auf jede Form von Feierlichkeitsrhetorik und nimmt stattdessen eine klare und analytische Haltung ein, die die Widersprüche und Fragilitäten Roms anerkennt. Auf diese Weise lädt sie das Publikum ein, sich mit der Stadt als gemeinsamem Raum von Verantwortung, Imagination und Fürsorge auseinanderzusetzen, wobei der Akt des „Umarmens“ zur Metapher für kritische Aufmerksamkeit und bürgerschaftliches Bewusstsein wird.
Im Zentrum von Cara Città (abbracciami) steht eine Reflexion über die Stadt als sozialen, politischen und emotionalen Körper, der fortwährend von jenen geformt wird, die ihn bewohnen. Der Ausstellungstitel deutet auf eine intime, nahezu bekenntnishafte Beziehung zu Rom hin, die Zuneigung evoziert, zugleich aber implizit Distanz, Erschöpfung und Desillusionierung anerkennt. Diese Ambivalenz wird zum leitenden Prinzip des Projekts, das die Stadt als Raum des Nebeneinanders von Schönheit und Vernachlässigung, Erinnerung und Auslöschung, Zugehörigkeit und Ausschluss untersucht.
Anstatt Rom als historischen Hintergrund oder unveränderliche Ikone zu präsentieren, begreift die Ausstellung die Stadt als eine zeitgenössische Bedingung. Die Künstlerinnen und Künstler sind eingeladen, auf Rom so zu reagieren, wie es sich heute darstellt: eine Stadt, geprägt von demografischem Wandel, politischer Trägheit, ökologischer Verwundbarkeit und kultureller Resilienz. Die urbane Landschaft wird somit als ein Kraftfeld interpretiert, in dem individuelle Biografien mit kollektiven Geschichten verschränkt sind und in dem künstlerische Praxis zu einem Instrument der Untersuchung und Kritik wird.
Ein zentraler thematischer Strang der Ausstellung betrifft das Konzept der affektiven Geografie. Die gezeigten Werke zeichnen emotionale Karten der Stadt und machen sichtbar, wie Orte durch gelebte Erfahrung Bedeutung akkumulieren. Straßen, periphere Stadtviertel, Monumente und vergessene Räume werden als Orte von Bindung, Verlust und Widerstand neu gedacht. Die Ausstellung hebt hervor, dass die Stadt nicht allein durch Architektur und Planung entsteht, sondern ebenso durch Emotionen, Erinnerungen und alltägliche Gesten.
Die Ausstellung vereint eine vielfältige Auswahl von Künstlerinnen und Künstlern, deren Praktiken sich mit urbaner Realität über unterschiedliche Medien und konzeptuelle Ansätze auseinandersetzen. Malerei, Fotografie, Video, Installation, Skulptur und performative Praktiken koexistieren innerhalb eines einheitlichen kuratorischen Rahmens, der den Dialog gegenüber stilistischer Kohärenz betont. Diese Pluralität spiegelt die Komplexität der Stadt selbst wider und widersetzt sich jeder einheitlichen oder reduktiven Interpretation.
Die teilnehmenden Künstlerinnen und Künstler nähern sich Rom sowohl aus inneren als auch aus äußeren Perspektiven und verbinden persönliches Engagement mit analytischer Distanz. Einige Arbeiten gehen aus langfristigen Forschungsprojekten hervor, die in spezifischen urbanen Kontexten verankert sind, während andere eine eher symbolische oder spekulative Haltung einnehmen. Gemeinsam ist diesen Beiträgen die Aufmerksamkeit für die Stadt als Raum der Aushandlung, in dem individuelle Handlungsmacht auf strukturelle Begrenzungen trifft.
Mehrere Arbeiten thematisieren die Rolle der Erinnerung bei der Formierung urbaner Identität und untersuchen, wie kollektive Narrative konstruiert, vermittelt oder unterdrückt werden. Diese künstlerischen Interventionen machen die Spannung zwischen offiziellen Geschichtsschreibungen und marginalisierten Erzählungen sichtbar und legen die Mechanismen offen, durch die bestimmte Stimmen verstärkt und andere unsichtbar gemacht werden. Die Stadt erscheint somit als umkämpftes Archiv, das fortwährend durch soziale Dynamiken und Machtverhältnisse neu geschrieben wird.
Innerhalb der Ausstellung wird zeitgenössische Kunst nicht als autonomer ästhetischer Bereich verstanden, sondern als Form einer bürgerschaftlichen Praxis. Die Werke bieten keine Lösungen an, sondern formulieren Fragen, Zweifel und kritische Positionen. Dadurch regen sie die Besucherinnen und Besucher dazu an, ihre eigene Rolle innerhalb des urbanen Gefüges neu zu überdenken und ein Bewusstsein für die gemeinsame Verantwortung gegenüber den Räumen zu entwickeln, die wir bewohnen.
Das MACRO öffnet erneut seine Türen mit einer Ausstellungssaison, die vollständig Rom, seiner Kunstszene und den kreativen Energien gewidmet ist, die die Stadt beleben. Unter der Leitung der künstlerischen Direktorin Cristiana Perrella versteht das Programm das Museum als lebendigen, porösen und reaktionsfähigen Organismus, der die Rhythmen der Stadt, ihre Widersprüche und ihr transformatorisches Potenzial widerspiegelt.
Die Saison entfaltet sich als multidisziplinäre Erzählung, die Bildende Kunst, Musik, Architektur, Film und Performance miteinander verknüpft und Rom als offenes Labor darstellt, geprägt sowohl von historischer Tiefe als auch von basisnahen Formen kultureller Produktion. Vergangenheit und Zukunft, institutionelle Räume und unabhängige Initiativen, lokale Erfahrungen und internationale Dialoge fließen in eine gemeinsame Reflexion über die zeitgenössische Stadt zusammen.
Die Eröffnung der Saison ist durch vier Ausstellungen gekennzeichnet, die am 11. Dezember 2025 gleichzeitig eröffnet werden und gemeinsam ein kollektives und geschichtetes Porträt Roms durch unterschiedliche künstlerische Sprachen und Perspektiven zeichnen.
UNAROMA (11. Dezember 2025 – 6. April 2026), kuratiert von Cristiana Perrella und Luca Lo Pinto, ist eine groß angelegte Gruppenausstellung mit über siebzig Künstlerinnen und Künstlern. In drei miteinander verbundenen Phasen, Set, Live und Off, strukturiert, vermittelt das Projekt ein dynamisches, generationenübergreifendes Bild des lebendigen und hybriden römischen Kunstökosystems und erweitert sich über das Museum hinaus durch Kooperationen mit unabhängigen Räumen in der gesamten Stadt.
One Day You’ll Understand. 25 Years of Dissonanze (11. Dezember 2025 – 22. März 2026), kuratiert von Cristiana Perrella, widmet sich dem einflussreichen Dissonanze-Festival, das Rom zwischen 2000 und 2010 zu einem internationalen Knotenpunkt für elektronische Musik, digitale Kultur und experimentelle Kunst machte. Anhand umfangreicher visueller und klanglicher Archive rekonstruiert die Ausstellung einen pionierhaften Moment der jüngeren Kulturgeschichte der Stadt.
Jonathas de Andrade. Sorelle senza nome (11. Dezember 2025 – 6. April 2026), kuratiert von Cristiana Perrella, präsentiert eine neu in Auftrag gegebene Videoarbeit des brasilianischen Künstlers. Auf der Grundlage von Archivforschung und Zeitzeugenberichten erzählt der Film die Geschichte einer Gemeinschaft brasilianischer Nonnen, die in den 1960er-Jahren ihre Gelübde aufgaben und sich unter dem Druck der Militärdiktatur in Rom niederließen, wo sie ihr politisches und soziales Engagement als Laien fortsetzten.
Abitare le rovine del presente (11. Dezember 2025 – 22. März 2026), kuratiert von Giulia Fiocca und Lorenzo Romito (Stalker), konzentriert sich auf zeitgenössische Formen des Wohnens und den sozialen Wohnungsbau in Rom. Ausgehend vom Projekt *Agency for Better Living*, das auf der Architekturbiennale 2025 präsentiert wurde, untersucht die Ausstellung bottom-up entstandene Praktiken der Wiederverwendung, Resilienz und Regeneration als Antwort auf aktuelle ökologische und soziale Krisen.
Zusammen entfalten diese vier Ausstellungen eine vielschichtige Reflexion über Rom als Stadt in stetigem Wandel und positionieren das MACRO als Plattform für kritische Forschung, kulturellen Austausch und kollektive Erfahrung.
Der Besuch der Ausstellung bietet die Möglichkeit, Rom jenseits konventioneller Narrative zu begegnen. Das Projekt liefert einen rigorosen und differenzierten Rahmen, um die Stadt als zeitgenössisches Phänomen zu verstehen, und behandelt ihre Widersprüche mit intellektueller Klarheit und emotionaler Tiefe. Es richtet sich nicht nur an Kunstspezialistinnen und -spezialisten, sondern an alle, die sich für urbane Kultur, soziale Transformation und die Rolle künstlerischer Praxis im öffentlichen Diskurs interessieren.
Die Ausstellung ermutigt die Besucherinnen und Besucher, eine reflektierte Haltung gegenüber der Stadt einzunehmen und eine Form aufmerksamer Beobachtung zu entwickeln, die Nostalgie und Vereinfachung widersteht. Indem Rom als geteilter und verletzlicher Raum präsentiert wird, fordert das Projekt neue Formen des Engagements auf der Grundlage von Bewusstsein und Verantwortung ein.
Letztlich zeigt die Ausstellung, wie zeitgenössische Kunst als Werkzeug zum Verständnis der Gegenwart fungieren kann. Durch vielfältige künstlerische Ausdrucksformen und kritische Perspektiven formuliert Cara Città (abbracciami) eine eindringliche Untersuchung darüber, was es heute bedeutet, in der Stadt, mit der Stadt und für die Stadt zu leben.
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