5 November - 2 Mai 2027
Mehr als 110 werke, darunter fast fünfzig grabporträts aus Ägypten, dokumentieren die begegnung zwischen der ägyptischen bildtradition und der griechisch-römischen kultur anhand eines der außergewöhnlichsten zeugnisse der antiken malerei. Es handelt sich um porträts auf dünnen holztafeln, die auf dem gesicht des verstorbenen angebracht und in die mumienbinden integriert wurden.
Museo dell’Ara Pacis, Via di Ripetta 180
Das Museo dell’Ara Pacis präsentiert eine große Ausstellung, die den Fayum-Porträts und der individuellen Darstellung im römischen Ägypten gewidmet ist. Mehr als 110 Werke aus bedeutenden internationalen Institutionen dokumentieren die Begegnung zwischen der ägyptischen Bestattungstradition und der griechisch-römischen Bildkultur anhand von Tafelgemälden, Leichentüchern, Masken und archäologischen Zeugnissen. Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen fast fünfzig Porträts von außergewöhnlicher Seltenheit.
Das menschliche Gesicht gehört zu den am intensivsten untersuchten Motiven der Kunstgeschichte. Nur wenige Zeugnisse der Antike besitzen jedoch eine vergleichbare Ausdruckskraft und unmittelbare Wirkung wie die Fayum-Porträts. Diese Tafelgemälde entstanden überwiegend zwischen dem 1. und 3. Jahrhundert n. Chr. und zeigen Männer, Frauen und Kinder, die im römischen Ägypten lebten. Ihre Gesichtszüge sind mit einem Naturalismus von erstaunlicher Modernität wiedergegeben. Die ursprünglich auf den Mumien angebrachten Bilder verbinden die funeräre Funktion der ägyptischen Tradition mit den Prinzipien der griechisch-römischen Porträtkunst.
Die sogenannten Fayum-Porträts verdanken ihren Namen der gleichnamigen Oase südwestlich von Kairo. Diese Region entwickelte sich während der hellenistischen und römischen Zeit zu einem bedeutenden landwirtschaftlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Zentrum. Die unter dieser Bezeichnung bekannten Werke wurden an verschiedenen Orten Ägyptens entdeckt, überwiegend in funerären Zusammenhängen. Ihre Herstellung erstreckte sich von Ende des 1. Jahrhunderts v. Chr. bis zum 3. Jahrhundert n. Chr., wobei ein besonderer Schwerpunkt auf den ersten Jahrhunderten des Römischen Kaiserreichs lag.
Es handelt sich um auf dünne Holztafeln gemalte Bilder, die gewöhnlich auf dem Gesicht der Mumien zwischen den Binden angebracht wurden, mit denen der Körper des Verstorbenen umwickelt war. Ihre Funktion war eng mit der ägyptischen Bestattungstradition verbunden, in der die Erhaltung des Körpers und die Wiedererkennbarkeit der Person eine grundlegende religiöse Bedeutung besaßen. Im Unterschied zu den älteren Grabmasken führten diese Gemälde jedoch eine andere Bildsprache ein, die stärker auf die Wiedergabe individueller Gesichtszüge ausgerichtet war.
Die dargestellten Personen entstammen keinem mythologischen Figurenrepertoire, sondern waren Menschen, die in einer historisch belegten Gesellschaft lebten. Unterschiede in der Gesichtsform, den Frisuren, dem Bart, dem Schmuck und der Kleidung verdeutlichen eine bemerkenswerte Vielfalt menschlicher Erscheinungsbilder. Einige Figuren wirken jung, andere älter. Der häufig direkt auf den Betrachter gerichtete Blick und die plastische Modellierung der Gesichtszüge verleihen den Bildern eine besonders intensive Präsenz.
Die Besonderheit dieser Produktion liegt in ihrem interkulturellen Charakter. Ihre funeräre Bestimmung gehört zur ägyptischen Tradition, während ihre malerische Sprache deutlich von der griechisch-römischen Bildkultur geprägt ist. Dieses Phänomen entwickelte sich in einem Gebiet, das bereits nach der Eroberung durch Alexander den Großen und der anschließenden ptolemäischen Herrschaft eine lange Phase der kulturellen Integration unterschiedlicher Traditionen erlebt hatte.
Das funeräre Porträt stellt eine besonders aussagekräftige Erscheinungsform dieses Prozesses dar. Die bemalte Holztafel wurde in bestimmten Zusammenhängen zunehmend anstelle der traditionellen Masken verwendet. Dabei blieb die rituelle Funktion des Bildes erhalten, während gleichzeitig die individuelle Physiognomie stärker in den Mittelpunkt rückte. Auf diese Weise wurde die für die hellenistische und römische Bildkultur charakteristische individuelle Darstellung in ein religiöses System integriert, das tief in der ägyptischen Zivilisation verwurzelt war.
In der römischen Welt hatte das Porträt eine zentrale Bedeutung für die öffentliche und private Repräsentation erlangt. Die Bilder der Vorfahren, die in aristokratischen Wohnhäusern aufbewahrt und bei Familienzeremonien verwendet wurden, trugen dazu bei, das Ansehen bedeutender Familien über Generationen hinweg zu bewahren. Während der Kaiserzeit verbreitete sich die Porträtkunst zunehmend und erfasste immer breitere gesellschaftliche Schichten.
Im römischen Ägypten fand dieses Interesse an der individuellen Physiognomie eine spezifisch funeräre Verwendung. Die dargestellten Elemente ermöglichen heute Rückschlüsse auf Kleidung, ästhetische Gewohnheiten und gesellschaftliche Unterschiede. Frisuren, Schmuckstücke, Gewänder und Accessoires erfüllen nicht nur eine dekorative Funktion, sondern liefern auch Hinweise auf den sozialen Status und die Identität der dargestellten Personen.
Die Qualität der Gemälde variiert erheblich, ebenso wie die Darstellungsweisen. Einige Werke legen besonderen Wert auf eine präzise Wiedergabe der Gesichtszüge, während andere eine stärkere Vereinfachung erkennen lassen. In beiden Fällen zeigt sich ein Malereiverständnis, bei dem das Gesicht nicht als bloßes dekoratives Element, sondern als Mittelpunkt der Komposition aufgefasst wird.
Die Herstellung der Fayum-Porträts konzentrierte sich auf einen vergleichsweise kurzen Zeitraum von Ende des 1. Jahrhunderts v. Chr. bis zum 3. Jahrhundert n. Chr., als diese Praxis allmählich zum Erliegen kam. Die genauen Gründe für ihr Verschwinden sind bislang nicht vollständig geklärt. Veränderungen der Bestattungsrituale, religiöse Entwicklungen und der Wandel gesellschaftlicher Gepflogenheiten dürften das Verhältnis zwischen Bild und Ritual nachhaltig beeinflusst haben.
Die Seltenheit der erhaltenen Werke hängt auch mit den besonderen Erhaltungsbedingungen und der Beschaffenheit der verwendeten Materialien zusammen. Gemälde auf Holzträgern sind besonders empfindlich gegenüber Feuchtigkeit und klimatischen Schwankungen. Das trockene Klima einiger ägyptischer Regionen begünstigte die Erhaltung eines Kulturerbes, das in anderen Gebieten des Mittelmeerraums größtenteils verloren gegangen wäre. Die Notwendigkeit strenger konservatorischer Bedingungen erschwert zudem den Transport der Tafeln zwischen Museen und erklärt, weshalb Ausstellungen mit einer derart umfangreichen Zusammenstellung vergleichsweise selten sind.
Die handwerkliche Qualität der Fayum-Porträts zeugt von einer umfassenden Kenntnis malerischer Verfahren. Trotz ihrer geringen Größe und ihrer funerären Bestimmung verfügen diese Werke über eine bemerkenswerte Fähigkeit, Volumen zu modellieren, Hauttöne differenziert abzustufen und räumliche Tiefe zu erzeugen. Die Untersuchung der Oberflächen lässt unterschiedliche Methoden des Farbauftrags sowie eine Vielfalt technischer Lösungen erkennen.
Die wichtigsten verwendeten Techniken waren die Enkaustik und die Tempera. Bei der Enkaustik wurden die Pigmente mit Wachs, in der Regel Bienenwachs, vermischt und unter Anwendung von Wärme auf den Bildträger aufgetragen. Die Malschicht erhielt dadurch eine besonders körperhafte Konsistenz und ermöglichte intensive Farboberflächen mit ausgeprägter Tiefenwirkung.
Die Enkaustik erlaubte es, mit breiten Pinselstrichen und übereinandergelegten Farbschichten zu arbeiten. Die Formen wurden durch unterschiedliche Abstufungen von Licht und Schatten modelliert. Die Nuancen der Hauttöne, die Lichtreflexe auf Wangen und Stirn sowie die Ausarbeitung von Augen und Haaren trugen zur Entstehung ausgesprochen naturgetreuer Bilder bei. Bei einigen Werken ist die Beschaffenheit der Malschicht noch deutlich erkennbar, sodass sich auch die gestische Arbeitsweise der Künstler nachvollziehen lässt.
Bei der Temperamalerei wurden die Pigmente dagegen in der Regel mit organischen Bindemitteln wie tierischem Leim vermischt. Das Ergebnis war eine mattere Oberfläche, bei der die tonalen Abstufungen durch kontrollierte Farbübergänge erzielt wurden. Beide Techniken konnten mit unterschiedlichen Verfahren eingesetzt werden und führten zu jeweils eigenen Ausdrucksformen.
Die Tafeln wurden aus verschiedenen Holzarten gefertigt und waren häufig nur wenige Millimeter dick. Die Auswahl des Holzes und die Vorbereitung des Bildträgers bildeten wichtige Arbeitsschritte. In vielen Fällen wurde die Oberfläche mit einer Grundierung aus Gips oder einem anderen geeigneten Material versehen, um sie für die Bemalung vorzubereiten.
Die Form der Tafeln war durch ihren späteren Verwendungszweck bestimmt. Sie mussten in die Struktur der Binden eingefügt werden, die den mumifizierten Körper umschlossen, und sich der Position des Gesichts anpassen. Aus diesem Grund weisen einige Tafeln veränderte oder zugeschnittene Ränder auf, die das Einsetzen in die funeräre Umhüllung erleichterten.
Die Untersuchungen der erhaltenen Oberflächen ermöglichen es, Spuren vorbereitender Zeichnungen und unterschiedliche Methoden des Farbauftrags zu erkennen. Auch das Vorhandensein von Vergoldungen, die vor allem für Schmuckstücke und einzelne dekorative Details verwendet wurden, zeugt von der Aufmerksamkeit, die der Darstellung des gesellschaftlichen Status gewidmet wurde.
Die Gestaltung des Gesichts durch das Zusammenspiel von Licht und Schatten gehört zu den charakteristischsten Merkmalen dieser Malerei. Die Künstler verwendeten unterschiedliche Farbabstufungen, um die Wangen zu modellieren, den Nasenrücken zu definieren, die Augenlider hervorzuheben und die Beschaffenheit der Haut wiederzugeben. Die Präzision einzelner Details steht dabei neben einer freieren Ausführung anderer Elemente wie Haaren oder Kleidung.
Diese Verbindung von naturalistischer Beobachtung und malerischer Vereinfachung verleiht den Bildern eine besondere Ausdrucksqualität. Die Ähnlichkeit entsteht nicht ausschließlich durch eine minutiöse Wiedergabe anatomischer Merkmale, sondern vor allem durch die Fähigkeit, jene Elemente auszuwählen, die eine Person unverwechselbar machen. So entsteht eine Porträtkunst, in der die individuelle Darstellung mit einem ausgeprägten kompositorischen Bewusstsein verbunden ist.
Das von Claudio Parisi Presicce und Laura Petacco kuratierte Projekt bietet eine kunsthistorische Betrachtung, die die Porträts in das umfassendere System kultureller und funerärer Praktiken einordnet, dem sie ursprünglich angehörten.
Der Hauptbestand umfasst fast fünfzig Fayum-Porträts, die dank eines bedeutenden internationalen leihgabenprogramms zusammengeführt werden konnten. Ein beträchtlicher Teil stammt aus ägyptischen Sammlungen: Erstmals wurde nahezu die Gesamtheit der in den Museen des Landes aufbewahrten Tafeln als Leihgabe zur Verfügung gestellt, darunter auch Werke, die Ägypten zuvor noch nie verlassen hatten. Die Möglichkeit, Gemälde aus unterschiedlichen Sammlungen unmittelbar miteinander zu vergleichen, gehört zu den bedeutendsten Aspekten dieses Ausstellungsprojekts.
Zu den bedeutendsten Werken zählt das berühmte Tondo der Beiden Brüder, das im Ägyptischen Museum in Kairo aufbewahrt wird und als eines der herausragenden Beispiele antiker Porträtkunst gilt. Das Gemälde wurde in Enkaustik auf einem Holzträger ausgeführt und zeigt zwei nebeneinander angeordnete männliche Figuren, deren Gesichtszüge besonders sorgfältig wiedergegeben sind.
Das Werk ist vor allem durch seine Fähigkeit bemerkenswert, die individuelle Charakterisierung der dargestellten Personen mit einer ausgewogenen kompositorischen Gestaltung zu verbinden. Die Darstellung der beiden Männer, die Ausarbeitung ihrer Gesichtszüge und die Beziehung zwischen den Figuren machen das Gemälde zu einem wichtigen Zeugnis für die Geschichte der antiken Malerei.
Das Tondo wurde in Ägypten im Rahmen des Ausstellungsprojekts von italienischen Restauratoren restauriert. Seine Präsentation ermöglicht es daher auch, das Ergebnis einer konservatorischen Maßnahme zu würdigen, die für den Schutz eines besonders empfindlichen Kunstwerks unverzichtbar ist.
Ein weiterer bedeutender Werkkomplex stammt aus dem Musée du Louvre, das 23 Werke als leihgaben zur Verfügung stellt, darunter bemalte Tafeln und funeräre Leichentücher aus Leinen. Besonderes Interesse verdienen die Textilien aus Antinoe oder Antinopolis, die durch figürliche Dekorationen gekennzeichnet sind, welche mit den Bestattungspraktiken des römischen Ägypten in Verbindung stehen.
Unter den internationalen leihgaben ragt das Porträt der Isidora hervor, das heute im Getty Museum aufbewahrt wird. Die außergewöhnliche Feinheit seiner Ausführung hat die Forschung dazu veranlasst, das Werk einem anonymen Künstler zuzuordnen, der konventionell als Meister der Isidora bezeichnet wird. Diese Bezeichnung verweist somit nicht auf einen historisch belegten Maler, sondern auf eine künstlerische Persönlichkeit, die anhand der stilistischen Analyse des Gemäldes rekonstruiert wurde.
Die Tafel ist ein bedeutendes Beispiel für die hohe Qualität, die die funeräre Malerei erreichen konnte. Die sorgfältige Ausarbeitung der Details, die Darstellung der Kleidung und des Schmucks sowie die Aufmerksamkeit für die individuellen Gesichtszüge zeigen, dass das Porträt auch eine Funktion sozialer Distinktion erfüllen konnte.
Von besonderem Interesse ist außerdem das Porträt der Eirene, das aus dem Landesmuseum Württemberg in Stuttgart stammt. Der Name der Frau erscheint auf der Tafel zusammen mit einer Gebetsformel, mit der ihre Angehörigen ihre Seele Osiris anvertrauten, einer zentralen Gottheit der ägyptischen Totenkultur. Die Inschrift ermöglicht es, das Bild unmittelbar einer identifizierten Person zuzuordnen, und stellt damit ein wertvolles dokumentarisches Zeugnis dar.
Der Ausstellungsrundgang beginnt mit einer Gegenüberstellung der ägyptischen und römischen Bildtraditionen. Auf der einen Seite wird eine funeräre Maske aus ptolemäischer Zeit präsentiert, die aus dem Museo Barracco stammt und deren Gesichtszüge überwiegend symbolisch und idealisiert gestaltet sind. Auf der anderen Seite sind Marmorporträts aus den Kapitolinischen Museen und der Centrale Montemartini zu sehen, die die Bedeutung der individuellen Darstellung in der römischen Kultur dokumentieren.
Der Vergleich verdeutlicht zwei unterschiedliche Auffassungen des funerären Bildes. In der ägyptischen Tradition war die Maske eng mit der Erhaltung des Körpers und seiner rituellen Transformation verbunden. Im römischen Porträt hingegen besaß die körperliche Ähnlichkeit auch einen bürgerlichen und gesellschaftlichen Wert und trug zur öffentlichen und familiären Erinnerung bei.
Der erste Ausstellungsbereich widmet sich den Ursprüngen des Bedürfnisses, die individuellen Gesichtszüge zu bewahren. Im Mittelpunkt steht eine besonders seltene Gruppe von Abformungen aus dem Grab der Valerii, das sich unterhalb der Petersbasilika befindet. Diese Objekte dokumentieren die verschiedenen Phasen eines Verfahrens, mit dem der Abdruck des Gesichts eines Verstorbenen erhalten und anschließend in ein repräsentatives Bildnis aus Marmor übertragen werden sollte.
Die Abformungen verdeutlichen den hohen Stellenwert, den die körperliche Ähnlichkeit in den römischen Bestattungspraktiken besaß. Das Bildnis entstand als Ergebnis eines materiellen Prozesses, bei dem die individuellen Gesichtszüge auf einen Bildträger übertragen wurden, der ihre dauerhafte Bewahrung gewährleisten sollte.
Der zweite Ausstellungsbereich ist der Begegnung zwischen den beiden funerären Traditionen gewidmet. Im römischen Ägypten wurde die traditionelle Maske zunehmend durch die bemalte Holztafel ersetzt, ohne dass die rituelle Funktion des Bildes verloren ging. Die Veränderung betraf vor allem die Bildsprache, die sich stärker an den individuellen Merkmalen der dargestellten Personen orientierte.
Zu den präsentierten Werken gehört der Sarkophag mit der Mumie des Mädchens Giupra aus dem Archäologischen Nationalmuseum in Florenz. Dieses Zeugnis ermöglicht es, die Porträts mit ihrer ursprünglichen Bestimmung in Verbindung zu bringen und zu verstehen, wie eng diese Bilder in die funeräre Behandlung des Körpers eingebunden waren.
Der dritte Ausstellungsbereich bildet den unmittelbar der Fayum-Porträtkunst gewidmeten Schwerpunkt. Dutzende bemalte Tafeln werden im Vergleich unterschiedlicher Physiognomien und gesellschaftlicher Merkmale der dargestellten Personen präsentiert. Die Gemälde dokumentieren ein Umfeld, in dem persönliches Erscheinungsbild, Kleidung und Schmuck an der Definition der sozialen Identität beteiligt waren.
Zu den dokumentierten Personen gehören Demos und seine kleine Tochter, Mutter und Tochter, die im selben Grab bestattet wurden, sowie ein Soldat aus der Sammlung des Eton College. Der Vergleich mit den skulptierten Porträts aus den Kapitolinischen Sammlungen ermöglicht es, Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den Darstellungssystemen der beiden Kulturen zu erkennen.
Eine weitere Vertiefung bieten Schmuckstücke aus Pompeji und Herculaneum, die mit den auf den Gemälden dargestellten Verzierungen in Beziehung gesetzt werden. Armbänder, Halsketten, Ohrringe und andere Schmuckelemente lassen sich dadurch als materielle Zeugnisse einer im Mittelmeerraum verbreiteten Kultur der Kleidung und des äußeren Erscheinungsbildes betrachten.
Der vierte Ausstellungsbereich befasst sich mit den materiellen und technischen Aspekten dieser Produktion. Im Mittelpunkt stehen die Verfahren zur Vorbereitung der Holztafeln, die Verwendung von Enkaustik und Tempera sowie die Eigenschaften der verschiedenen Materialien, die bei der Herstellung der Bilder zum Einsatz kamen.
Der Vergleich zwischen Holz, Leinen, Stuck und Marmor verdeutlicht, wie die Bewahrung der Gesichtszüge durch unterschiedliche Bildträger und Verfahren gewährleistet wurde. Die Werke werden damit zu Zeugnissen der technischen Kultur des römischen Ägypten und zugleich seiner künstlerischen Produktion.
Der fünfte und letzte Ausstellungsbereich dokumentiert die abschließenden Phasen der Herstellung von Porträts auf Holztafeln anhand von Werken, die bis in das 3. Jahrhundert n. Chr. datiert werden. Der Rundgang endet mit einigen der letzten Beispiele dieser Tradition und den kostbaren bemalten Leichentüchern aus Antinoe.
Die Stadt, die auch unter dem Namen Antinopolis bekannt ist, wurde im Jahr 130 n. Chr. von Kaiser Hadrian zum Gedenken an Antinoos gegründet, den jungen Gefährten des Kaisers, der im Nil ums Leben gekommen war. Die Leichentücher dokumentieren die Entwicklung der funerären Darstellung: Das gemalte Gesicht erfüllt weiterhin eine identifizierende Funktion, wird jedoch in eine komplexere Bildstruktur eingebunden, in der Textil und Dekoration gemeinsam zur Gestaltung der Grabausstattung beitragen.
Die Bedeutung der Ausstellung liegt zunächst in der Möglichkeit, eine besonders umfangreiche Gruppe von Werken zu betrachten, die aufgrund ihrer Fragilität und Seltenheit für die Öffentlichkeit nur schwer zugänglich sind. Die Präsentation von fast fünfzig Porträts, die größtenteils aus ägyptischen Sammlungen stammen, bietet die Gelegenheit, Gemälde unmittelbar miteinander zu vergleichen, die normalerweise auf Museen und Sammlungen verschiedener Länder verteilt sind.
Der wissenschaftliche Wert des Projekts zeigt sich auch in der Möglichkeit, eine malerische Produktion zu untersuchen, von der nur vergleichsweise wenige Zeugnisse erhalten geblieben sind. Die Holzoberflächen und die bewahrten Pigmente ermöglichen die Analyse technischer Verfahren, die bei den meisten Werken der Antike verloren gegangen sind.
Die griechische und römische Malerei ist vor allem durch fragmentarische Zeugnisse bekannt. Die Fresken von Pompeji und Herculaneum, einige funeräre Dekorationen und wenige weitere Werkgruppen bilden nur einen kleinen Teil einer künstlerischen Produktion, die ursprünglich wesentlich umfangreicher gewesen sein muss. Zahlreiche Werke auf vergänglichen Bildträgern haben die Umwelteinflüsse und historischen Veränderungen nicht überstanden.
Die Fayum-Porträts sind daher eine grundlegende Quelle für die Rekonstruktion der antiken Malerei. Die klimatischen Bedingungen einiger ägyptischer Regionen haben die Erhaltung von Tafeln, Pigmenten und Oberflächen begünstigt, die andernorts zerstört worden wären. Die unmittelbare Betrachtung ermöglicht es, die Vielfalt der Techniken, die Qualität der Farbsubstanz und die stilistischen Unterschiede zwischen den Künstlern zu würdigen.
Aus dieser Perspektive wird das Porträt zu einem Instrument, um die Integrationsprozesse zu verstehen, die den antiken Mittelmeerraum prägten. Anhand der Kleidung, der persönlichen Attribute und der physiognomischen Merkmale lässt sich die vielschichtige Wirklichkeit einer Gesellschaft erschließen, in der unterschiedliche kulturelle Zugehörigkeiten und soziale Verhältnisse auch die Formen der Selbstdarstellung beeinflussten.
Die Werke liefern wertvolle Informationen über die Gesellschaft, die sie hervorgebracht hat. Unterschiede in Kleidung, Schmuck und Frisuren ermöglichen es, Aspekte des Alltagslebens und der Formen sozialer Abgrenzung zu rekonstruieren. Die auf den Gemälden dargestellten Schmuckstücke finden Entsprechungen in archäologischen Objekten aus Pompeji und Herculaneum, während die Kleidungselemente von der Verbreitung ästhetischer Vorbilder zwischen den verschiedenen Regionen des Römischen Reiches zeugen.
Ein weiterer Grund für das Interesse an der Ausstellung liegt in der Verbindung zwischen archäologischer Forschung, kunsthistorischen Studien und modernen Konservierungsmethoden. Die Fayum-Porträts erfordern spezifische Fachkenntnisse, um die Bildträger zu analysieren, die Maltechniken zu verstehen und ihren Erhaltungszustand zu beurteilen.
Die Restaurierung des Tondos der beiden Brüder, die im Rahmen des Ausstellungsprojekts in Ägypten von italienischen Spezialisten durchgeführt wurde, ist ein konkretes Beispiel für die Bedeutung internationaler Zusammenarbeit beim Schutz des antiken Kulturerbes. Auch die Präsentation des Jugendporträts aus den Ausgrabungen der archäologischen Mission der Universität Salento verweist auf die Verbindung zwischen neuen Entdeckungen und der wissenschaftlichen Aufwertung musealer Sammlungen.
Die Wahl des Museo dell’Ara Pacis eröffnet eine weitere Interpretationsebene. Das augusteische Monument, das zur Feier des Friedens und der Stabilität unter der Herrschaft des Augustus errichtet wurde, gehört zu einer entscheidenden Phase der römischen Geschichte, in der die imperiale Expansion die politischen und kulturellen Gleichgewichte des Mittelmeerraums tiefgreifend veränderte.
Die Beziehung zwischen dem monumentalen Umfeld der Ara Pacis und den ausgestellten Werken ermöglicht es daher, die Ausstellung in einen umfassenderen historischen Zusammenhang einzuordnen. Der Rundgang beschränkt sich nicht darauf, eine Sammlung funerärer Gemälde zu präsentieren, sondern rekonstruiert eine Epoche, in der die römische Kultur mit einer der ältesten und am stärksten entwickelten Zivilisationen des Mittelmeerraums in Kontakt trat.
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