13 April - 30 April 2032
Entdecken Sie eine außergewöhnliche Ausstellung, die die Kunst des polychromen Marmors über Jahrhunderte von Geschichte und Kultur hinweg feiert. Eine einzigartige Gelegenheit, zeitlose Meisterwerke aus der renommierten Santarelli-Stiftung im eindrucksvollen Rahmen der Kapitolinischen Museen zu bewundern.
Musei Capitolini, Piazza del Campidoglio, 1 – Via delle Tre Pile, 1
Marmor gilt seit jeher als Symbol von Ewigkeit und Vollkommenheit, doch seine Geschichte ist auch eine Geschichte der Transformation. „The Colours of Antiquity“ stellt die statische Wahrnehmung von Marmor als monolithischem Medium infrage, indem es seine innere Vielfalt offenlegt. Die Ausstellung betont die polymaterielle Natur des Marmors: seine Fähigkeit, Farbe, Transparenz, Textur und geologische Komplexität zu einem ausdrucksstarken Ganzen zu vereinen.
Von wolkenartig geäderten Alabastern bis zu porphyrischen Steinen von kaiserlichem Purpurglanz zeigt die Ausstellung, wie antike Künstler diese Materialien nicht nur technisch, sondern auch konzeptuell meisterten. Marmor wurde als Vermittler verstanden – ein Material, das sowohl die Beständigkeit der Erde als auch die Vergänglichkeit des Lichts einfängt. Jede Oberfläche erzählt die Geschichte ihres Ursprungs: von Bergen, die durch menschliche Anstrengung gespalten wurden, und von mineralischen Pigmentadern, die sich Millionen Jahre vor dem menschlichen Blick gebildet haben. Die Kunst besteht in der Anerkennung dieser natürlichen Muster als göttliches Design, das rohe Materie in kulturelle Offenbarung verwandelt.
In der Antike schmückte polychromer Marmor Tempel, Paläste und öffentliche Räume und fungierte als visuelle Sprache von Prestige und Frömmigkeit. Im alten Rom war Marmor eine Metapher des Imperiums – die materielle Verkörperung von Reichtum aus eroberten Gebieten. Ägyptischer Porphyr, phrygischer Pavonazzetto und numidischer Giallo Antico bildeten eine Palette, die sowohl politische Dominanz als auch kosmologische Ordnung widerspiegelte. Farbe bedeutete Geografie, und Geografie implizierte Macht.
In der Renaissance wurde diese antike Faszination für farbigen Stein durch humanistische Gelehrsamkeit und päpstliches Mäzenatentum neu belebt. Künstler wie Michelangelo und Bernini nutzten das expressive Potenzial der natürlichen Marmorfarben sowohl in sakralen als auch in weltlichen Kontexten. Im Barock erreichte der Einsatz polychromen Marmors eine theatralische Intensität: Kapellen leuchteten in rotem Jaspis und grünem Serpentin, ihre Oberflächen wie Musik orchestriert. Die Ausstellung führt die Besucher durch diesen sich wandelnden Dialog zwischen Stein und Geist bis hin zur Wiederentdeckung des Marmors als emotionales Material im modernen Design.
Jedes ausgestellte Marmorstück besitzt eine geografische und geologische Biografie. Ein eigener Abschnitt der Ausstellung ist den Steinbrüchen gewidmet, die das Rohmaterial für imperiale Pracht lieferten. Die Besucher erfahren, wie Carrara, Paros und Prokonnesos zu Synonymen für Exzellenz wurden, während entlegene Fundorte in Ägypten und Kleinasien exotische Steine von besonderer Seltenheit hervorbrachten.
Der Abbau selbst war ein monumentales Unterfangen, das nicht nur körperliche Kraft, sondern auch administratives Genie erforderte. Römische Ingenieure entwickelten fortschrittliche Abbautechniken, um tonnenschwere Blöcke über Land und Meer zu transportieren und natürliche Ressourcen in politisches Spektakel zu verwandeln. In diesem Licht erscheinen die Steinbrüche als antike Innovationslabore, in denen Technik, Wirtschaft und Kunst zusammenkamen. Digitale Rekonstruktionen und historische Karten lassen diese verlorenen Landschaften wieder lebendig werden.
Im Zentrum der Ausstellung steht die Vision der Santarelli-Stiftung, deren Sammlung seit Jahrzehnten die Ästhetik des farbigen Marmors bewahrt und erforscht. Gegründet auf einer Philosophie kultureller Verantwortung, verkörpert die Stiftung die Überzeugung, dass Kunst zugleich Erbe und Dialog ist. Ihre umfangreichen Bestände umfassen Muster von über tausend Steinarten, katalogisiert nicht nur nach geologischen Kriterien, sondern nach ihrer historischen Bedeutung in Architektur, Skulptur und Ornamentik.
Die Mission der Stiftung geht über die Bewahrung hinaus. Durch wissenschaftliche Forschung, Restaurierungsprojekte und Bildungsarbeit fördert sie das Bewusstsein für Materialien als Träger menschlicher Kreativität. Kooperationen mit Institutionen wie den Kapitolinischen Museen zeigen beispielhaft, wie private Sammlungen das öffentliche Verständnis bereichern können. Der Santarelli-Ansatz ist zugleich kuratorisch und poetisch: Jedes Marmorfragment wird als Text verstanden, der gelesen werden will – eine Oberfläche, in die kulturelles Gedächtnis eingeschrieben ist.
„The Colours of Antiquity“ bleibt nicht in der Vergangenheit verhaftet. Die Ausstellung verfolgt auch den nachhaltigen Einfluss des chromatischen und symbolischen Potenzials des Marmors auf zeitgenössische Kunst und Design. Die letzten Säle präsentieren moderne Interpretationen von Künstlern, die Marmor als Medium der Reflexion, Ökologie und Transformation neu denken. Ihre Arbeiten begegnen den antiken Steinen mit Demut und Innovationsgeist und zeigen, wie Materialien, die einst Tempeln und Kaisern vorbehalten waren, heute Fragen von Nachhaltigkeit, Identität und Wahrnehmung verhandeln.
In der Architektur werden polychrome Oberflächen als nachhaltige Alternativen zur industriellen Uniformität wiederentdeckt. Bildhauer nehmen die Unvollkommenheiten des Natursteins als Metaphern für die menschliche Existenz an. Die Santarelli-Stiftung fördert diesen lebendigen Dialog und positioniert Marmor nicht als Relikt, sondern als Inspirationsquelle. So schließt die Ausstellung dort, wo sie begonnen hat: mit der Erkenntnis, dass Schönheit nicht statisch ist, sondern sich im Zusammenspiel von Zeit, Materie und Imagination ständig wandelt.
Die Ausstellung entfaltet sich in einer Abfolge thematischer Räume, die jeweils als Atmosphäre und nicht als bloßer Ausstellungsort konzipiert sind. Licht, Klang und räumlicher Rhythmus führen die Besucher von den geologischen Ursprüngen bis zur künstlerischen Transzendenz. Die ersten Räume evozieren die unterirdische Welt der Steinbrüche, mit projizierten Bildern mineralischer Schichten und dem Echo ferner Werkzeuge. Spätere Galerien öffnen sich zu lichtdurchfluteten Sälen, in denen die Farbe im Mittelpunkt steht, Marmore nicht chronologisch, sondern nach chromatischer Harmonie geordnet.
In jedem Abschnitt verbinden erklärende Texte wissenschaftliche Präzision mit sinnlicher Erfahrung. Bodenfragmente, architektonische Gesimse und Skulpturen werden einander gegenübergestellt, um zu zeigen, wie dasselbe Material sowohl im sakralen als auch im häuslichen Kontext Verwendung fand. Die Ausstellung kulminiert in einem kontemplativen Raum zur Metaphysik der Farbe, in dem durch Marmortafeln gefiltertes Licht eine immersive Atmosphäre schafft, die an antike Heiligtümer erinnert.
Unter den Schätzen der Ausstellung ragen mehrere Werke als Ikonen künstlerischer Meisterschaft hervor. Ein römisches Mosaikpflaster beeindruckt durch geometrische Präzision, seine Tesserae aus Giallo Antico, Porphyr und Serpentin bilden ein Kaleidoskop imperialer Pracht. In der Nähe zeigt eine Büste einer jungen Gottheit aus phrygischem Marmor das feine Gespür des Bildhauers für Transparenz – Fleisch und Stein verschmelzen in einem einzigen Lichtimpuls.
Ebenso eindrucksvoll sind Fragmente barocker Altäre, in denen kontrastierende Steine das Drama von Glaube und Illusion heraufbeschwören. Jedes Objekt wird von einer detaillierten Analyse begleitet, die Herkunft, stilistische Einordnung und symbolische Bedeutung nachzeichnet. Auf diese Weise verleiht die Ausstellung dem Marmor seine Stimme als erzählerisches Medium zurück – eine Sprache aus Adern und Farben, durch die Zivilisationen Göttlichkeit, Macht und Schönheit ausgedrückt haben.
Zu den anregendsten Aspekten der Ausstellung gehört die Gegenüberstellung antiker Artefakte mit zeitgenössischen Installationen. Heutige Künstler interpretieren Marmor nicht als Symbol der Dauerhaftigkeit, sondern als Zeugen des Wandels. Videoprojektionen, skulpturale Interventionen und Klanglandschaften schaffen einen Dialog über Jahrhunderte hinweg. Durch diese Interaktionen wird Marmor nicht länger als starres Relikt wahrgenommen, sondern als aktiver Gesprächspartner in der Diskussion über die Zukunft der Kunst.
Der Dialog erstreckt sich auch auf wissenschaftliche Innovationen: Neue Bildgebungstechnologien machen die Mikrostrukturen antiker Marmore sichtbar und ermöglichen die Rekonstruktion von Handelsrouten und Werkstattpraktiken. Durch die Verbindung von Kunst und Wissenschaft unterstreicht die Ausstellung eine zeitlose Wahrheit: Jedes Material trägt eine Geschichte der Transformation in sich, die darauf wartet, neu entdeckt zu werden.
Das Licht ist der stille Protagonist der Ausstellung. Erst durch das Licht erwachen die Farbtöne des Marmors zum Leben und offenbaren die Komplexität ihrer inneren Welten. Das sorgfältig entwickelte Beleuchtungskonzept lässt jedes Objekt sich subtil verändern, wenn sich der Betrachter bewegt, und imitiert so das natürliche Spiel des Sonnenlichts auf Steinoberflächen. Diese Choreografie der Beleuchtung verwandelt statische Objekte in lebendige Präsenzen.
In antiken Tempeln wurde Marmor durch gefiltertes Licht belebt, in barocken Kapellen vervielfachten Kerzen seinen Glanz zum göttlichen Schauspiel. Hier werden diese Traditionen mit modernen Mitteln neu interpretiert: LED-Verläufe und optische Fasern erzeugen jene flüchtige Strahlkraft, die einst sakrale Räume prägte. Die Besucher erleben Marmor als dynamische Begegnung zwischen Materie und Blick.
Ergänzend zur ästhetischen Dimension integriert die Ausstellung interaktive Technologien, die Wissenschaft und Publikum verbinden. Digitale Installationen führen durch virtuelle Rekonstruktionen antiker Steinbrüche und römischer Werkstätten. Augmented-Reality-Anwendungen ermöglichen die genaue Betrachtung mikroskopischer Pigmentspuren auf Marmoroberflächen und geben Einblick in Techniken, die dem bloßen Auge verborgen bleiben.
Pädagogische Workshops laden Besucher aller Altersgruppen dazu ein, mit Repliken von Werkzeugen und Materialproben zu arbeiten und Wissen durch haptische Erfahrung zu vertiefen. So wird die Ausstellung zu einem Labor der Wahrnehmung, in dem Kunstgeschichte, Geologie und Technologie in Dialog treten. Für jüngere Besucher lassen immersive Erzählformate mythologische Figuren lebendig werden und verknüpfen die Steine mit ihren antiken Geschichten.
Diese Ausstellung zu besuchen bedeutet, in einen Dialog über Jahrtausende hinweg einzutreten. Sie erinnert daran, dass Marmor – einst gebrochen, bearbeitet und poliert – ein lebendiger Brückenschlag zwischen Zivilisationen bleibt. Jedes ausgestellte Werk verkörpert nicht nur künstlerische Meisterschaft, sondern auch menschliche Neugier, Ausdauer und Ehrfurcht vor der materiellen Welt. Die Ausstellung ist zugleich Feier und Meditation: die Anerkennung, dass Farbe, Textur und Form Sprachen sind, mit denen der Mensch seit jeher nach dem Göttlichen sucht.
Für Wissenschaftler bietet sie neue Erkenntnisse zu Provenienz und Restaurierung. Für Künstler und Designer eröffnet sie Inspirationswege, die in der Komplexität der Natur verwurzelt sind. Für die breite Öffentlichkeit schafft sie ein sinnliches und intellektuelles Erlebnis, das Wissenschaft, Kunst und Emotion vereint. In den stillen Sälen der Kapitolinischen Museen, umgeben vom Flüstern der Geschichte, können Besucher neu entdecken, was es heißt zu sehen – nicht nur mit den Augen, sondern mit der Vorstellungskraft.
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